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Call for Paper / Aufruf zur Einreichung von Beiträgen

Virtuelle Zusammenarbeit und verlorene Kulturen?

Achte gemeinsame Tagung der Fachgruppen Vorgehensmodelle und Projektmanagement im Fachgebiet der Wirtschaftsinformatik der Gesellschaft für Informatik e.V. (GI), in Kooperation mit der Fachgruppe IT-Projektmanagement der GPM e.V., sowie dem PMI Germany Chapter e.V.

Die Pandemie wirft gewohnte Muster durcheinander. Organisationen und ihre Mitarbeitende müssen sich für neue Arten der Zusammenarbeit öffnen. Die Diversität der Arbeitsweisen wird möglicherweise als eine der wichtigsten Erkenntnisse der Corona-Krise in die „bisherige“ Arbeitswelt hineinreichen. Gefordert wird unter anderem, dass sich die Führungskultur vom Prinzip “Command-and-Control" hin zum Prinzip des gegenseitigen Vertrauens auf Basis professioneller Kooperationsarbeit wandeln muss. Das bedeutet besonders für Organisationen, die primär hierarchisch aufgebaut sind, eine gravierende Umstellung, speziell was die Führung der Mitarbeitenden betrifft.

Die Qualität der Kommunikation ist einer der wichtigsten Faktoren für die Zusammenarbeit im Team und den Erfolg von Projekten. Die Bindung der Teammitglieder untereinander über Ländergrenzen, Zeitzonen, ethnische und kulturelle Unterschiede hinweg zu erzielen und zu erhalten, ist die Königsdisziplin der virtuellen Zusammenarbeit. Diese Bindung entsteht unter anderem durch gemeinsame Ziele, Häufigkeit und Qualität der Interaktionsbeziehungen und das Vertrauen der Teammitglieder untereinander.

Ungeklärt ist dabei, ob der Modus Operandi klassischer wie agiler Vorgehensmodelle in der digitalen Welt anders ist als in der analogen Welt. Obwohl die virtuellen Formate keine großen Unterschiede zu den Präsenzformaten haben, muss vieles neu gelernt und professionalisiert werden.

Was wird bleiben, wenn unser Leben nicht mehr von der aktuellen Pandemie beeinflusst wird? Wird es auch in der Arbeits- und Projektwelt zu „Long-Covid-Symptomen“ kommen? Welche positiven Effekte wären wünschenswert?

Themenschwerpunkte

Im Mittelpunkt der diesjährigen Tagung PVM 2022 steht daher das Thema der virtuellen Zusammenarbeit und deren Auswirkungen auf kulturelle Themenstellungen. Uns beschäftigen die Fragen, inwiefern virtuelle Zusammenarbeit durch angepasstes Projektmanagement und angepasste Vorgehensmodelle unterstützt werden, und wie das Projektmanagement und Vorgehensmodelle ihrerseits von neuen Vorgehensweisen profitieren und dadurch weiterentwickelt werden können.

Um diese Fragen im Spannungsfeld zwischen Academia und Praxis zu diskutieren, laden wir in diesem Jahr insbesondere –  aber nicht ausschließlich –  zu Beiträgen zu folgenden Themenkomplexen ein:

  • Virtualisierung traditioneller Präsenzformate: In diesem Themenbereich beschäftigt sich die Tagung mit der virtuellen Gestaltung von Workshop-Formaten, innovativen kollaborativen Formaten und neuen Formen für informale Rituale wie Ad-hoc-Gespräche. Haben sich die Beweggründe für Vor-Ort-Meetings hin zu Vehikeln der Beziehungspflege verschoben? Wie werden Motivation, Aufmerksamkeit und Mitwirkung in virtuellen Meetings sichergestellt? Besteht ein Bedarf für einen Knigge der digitalen Zusammenarbeit? Ist eine “neue Rhetorik” erforderlich, um im digitalen Raum zu überzeugen?Wie gestaltet sich der fachliche Austausch in virtuellen Teams und wie fließen Erfahrungen aus der (analogen) Arbeit ein? Wie kann osmotische Kommunikation im virtuellen Setting entstehen?
  • Kultur und Führung in virtuellen Settings: In diesem Themenbereich beschäftigt sich die Tagung mit den Auswirkungen der Virtualisierung auf Facetten wie Kultur, Projektarbeit, Effektivität, Mitarbeiterbindung und Führung. Was macht Unternehmenskultur aus und wie ändert sich diese durch die virtuelle Zusammenarbeit? Was sind die Artefakte in agilen und hybriden Kooperationssettings? Wie teilen Wissensträger ihr Know-how innerhalb von Teams und darüber hinaus in der virtuellen Zusammenarbeit? Hat die Virtualisierung Auswirkungen auf die Diversität und Aspekte wie zum Beispiel Gendergerechtigkeit, Altersdiskriminierung und kulturelle Hintergründe? Sind in der virtuellen Zusammenarbeit andere oder neue Soft Skills notwendig? Müssen neue Wege im Stakeholder-Management gegangen werden? Erfordert ein möglicherweise eintretender „Digital Overload“ auf der anderen Seite zeitweise einen „Digital Detox“? Wie organisieren sich Teams und wann ist welcher Führungsansatz zu präferieren? Existieren Situationen, in denen eine hierarchische Führung zu präferieren ist? Wie treffen Teams Entscheidungen, wie werden Konflikte gelöst und wie wird Verantwortung verteilt und geteilt?
  • Virtuelle Zusammenarbeit: In diesem Themenbereich beschäftigt sich die Tagung mit den Auswirkungen, Möglichkeiten und Problemen der virtuellen Zusammenarbeit. Ermöglicht die Virtualisierung höhere Flexibilität in der Teamkonfiguration oder sind gerade hier langfristig eingespielte Teams von Vorteil? Wie verändert sich die Zusammenarbeit auch über Unternehmensgrenzen hinweg? Welche Möglichkeiten ergeben sich aus einer virtuellen Softwareentwicklung und einem “virtuellen Software Engineering”? Ermöglichen flexible, anpassbare virtuelle Welten eine effiziente und effektive Kollaboration oder sind das Spielereien, die viel Aufwand und wenig Nutzer verursachen? Welche psychologischen Faktoren und Risiken sind in der virtuellen Zusammenarbeit zu beachten? Wie sieht das zukünftige Metaverse für Projektmanagement und Softwareentwicklung aus? Welche Chancen, Risiken und Herausforderungen ergeben sich für Trainings und Schulungen durch Virtual Reality? Welche Anforderungen an den Datenschutz sind im Zusammenhang der AR/VR-Kollaboration zu beachten? Welche „Data Literacy“ ist im Projektmanagement erforderlich? Wie definiert sich ein Digitaler Reifegrad im Projektmanagement und welche Methoden der Reifegradmessung existieren. Wie beeinflusst die virtuelle Zusammenarbeit Vorgehensmodelle und Entwicklungsprozesse?

Ziele der Fachtagung

Ziel der Veranstaltung ist es, fundierte Ansätze aus der Wissenschaft mit Erfahrungen zu deren Anwendung in der Praxis einem Fachpublikum vorzustellen und Raum für die fachübergreifende Diskussion und den Erfahrungsaustausch zu geben. Die Fachgruppe Vorgehensmodelle prämiert einen herausragenden Beitrag mit dem Best Paper Award.

Special Tracks

Session "Future Track"

Eine wichtige Aufgabe der GI-Fachgruppen ist es, sich mit der Zukunft des Fachgebiets zu beschäftigen. AutorInnen im Future Track können reifende Ideen oder kontroverse bzw. provokative Ansichten in einem Impulsbeitrag vorstellen, welche anschließend im Auditorium diskutiert werden sollen. Durch den Austausch sollten Denkanstöße und Impulse für die Teilnehmenden und auch die künftige Fachgruppenarbeit entstehen. Die Impulsbeiträge (nur als Kurzbeitrag, d.h. max. 5 Seiten) des Future Tracks werden einem separaten Review-Verfahren unterzogen.

Session "Student Track"

Ziel des Student Track ist es, gezielt Studierenden und NachwuchswissenschaftlerInnen (DoktorandInnen in einer frühen Phase) die Möglichkeit zu eröffnen, sich aktiv in die Tagung einzubringen und damit die Community der GI-Fachgruppen Vorgehensmodelle und IT-Projektmanagement kennenzulernen. Studierende und NachwuchswissenschaftlerInnen sind aufgerufen qualitativ hochwertige Arbeiten einzureichen. Die Beiträge werden einem separaten Review-Verfahren unterzogen und als Kurz- oder Langbeitrag akzeptiert. Für akzeptierte Beiträge kann die Unterstützung bei der Finanzierung von Anreise, Tagungsgebühr und Unterkunft beantragt werden.

Session „Journal First“

Ähnlich dem etablierten „Journal-first“-Modell anderer internationaler Konferenzen, können auf der PVM 2022 Beiträge präsentiert werden, welche in renommierten Journalen und Konferenzen publiziert oder zur Publikation/Präsentation angenommen wurden. Ziel ist die Stimulation des Diskurses innerhalb der wissenschaftlichen Community sowie die Erhöhung des Impacts von bereits veröffentlichten Ergebnissen durch den Austausch mit Fachleuten aus der Praxis. Es werden ausschließlich Vorschläge von begutachteten Beiträgen akzeptiert, die auf der entsprechenden Hauptkonferenz (bzw. in Journalen) in voller Länge angenommen wurden.

Einreichung, Format und Fristen

Bei den Einreichungen kann es sich handeln um:

  • Übersichtsbeiträge, die einen oder mehrere der o.g. Fragestellungen aufarbeiten und einführend darstellen
  • Ergebnisse laufender oder abgeschlossener Forschungsarbeiten
  • Erfahrungsberichte aus der Praxis

Von der Einsendung von sogenannten Success Stories mit starker Marketing-Ausrichtung (Eigenwerbung) bitten wir generell abzusehen.

Reichen Sie ihre Beiträge als Fachbeiträge (max. 10 Seiten zzgl. Quellenangaben) oder Future-Track-Beiträge (Impulsbeiträge, max. 5 Seiten zzgl. Quellenangaben) ein.

Reichen Sie Ihren Beitrag über den Submission-Link https://easychair.org/conferences/?conf=pvm2022 ein.

Die verbindliche Word-Vorlage finden Sie hier.  (Bitte nicht die Vorlage der GI verwenden!).

Fristen:

  • 01.04.2022: Einreichung eines vorläufigen Beitragstitels und ggf. Abstracts
  • 30.04.2022: Einreichung des Beitrags durch die Autoren
  • 24.06.2022: Benachrichtigung der Autoren
  • 14.07.2022: Einreichung finaler Version
  • 01.09.2022: Einreichung der Vortragsfolien

Tagungsort

Die Tagung findet am 8. und 9. September in Trier statt:

Universität Trier Campus II 
Behringstraße 21; D-54296 Trier

Sollte die Pandemiesituation eine Präsenzveranstaltung nicht zulassen, ist die Durchführung als virtuelle Veranstaltung geplant.

Organisationskomitee

Vorsitz Programmkomitee:

  • Dr. Masud Fazal-Baqaie (Sprecher der Fachgruppe Vorgehensmodelle)
  • Dr. Enes Yigitbas (Stv. Sprecher der Fachgruppe Vorgehensmodelle)
  • Prof. Dr. Martin Engstler (Sprecher der Fachgruppe Projektmanagement)
  • Alexander Volland (Stv. Sprecher der Fachgruppe Projektmanagement)
  • Prof. Dr. Oliver Linssen (Sprecher der Fachgruppe IT-Projektmanagement der GPM)
  • Dr. Martin Bertram (Vorstandsmitglied PMI Germany Chapter)
  • Prof. Dr. Axel Kalenborn (Universität Trier)

Mitglieder des Programm-Komitees:

  • Urs Andelfinger
  • Volker Arendt
  • Martin Bertram
  • Hubert Biskup
  • Hans Brandt-Pook
  • Gerhard Croust
  • Birgit Demuth
  • Martin Engstler
  • Masud Fazal-Baqaie
  • Thomas Greb
  • Marvin Grieger
  • Eckhart Hanser
  • Andreas Helferich
  • Georg Herzwurm
  • Axel Kalenborn
  • Gerrit Kerber
  • Ralf Kneuper
  • Marco Kuhrmann
  • Oliver Linssen
  • Chinn-Jia Meng
  • Günther Müller-Luschnat
  • Helge Nuhn
  • Joachim Sauer
  • Alexander Volland
  • Enes Yigitbas